Die zweite Station auf unserer dreimonatigen Reise nach Peru und Bolivien in 2005 war die im Süden Perus gelegene Stadt Arequipa. Von dort aus fällt fast von überall der Blick auf den nur wenige Kilometer entfernt thronenden fast 6.000m hohen aktiven Vulkan El Misti. 
Schon bei dem erstmaligen Anblick vom Flughafen aus wurde ich magisch angezogen und wusste, dass ich unbedingt dort oben auf dem Gipfel stehen wollte.
Nach ein paar Tagen Akklimation suchten wir uns eine lokale Agentur, welche die Besteigung des El Misti als Zwei-Tages-Trip anbot. Blauäugig, mit ein wenig Wandererfahrung in den mittleren Alpen, buchten wir die Tour und verließen uns auf die Aussage, dass es sich eigentlich um einen gemütlichen Spaziergang handeln würde.

Wenige Tage später wurden wir dann am frühen Morgen von unserem Guide abgeholt, sammelten noch einen Schweizer als viertes Tourmitglied ein und ließen uns zu dem Startpunkt der Besteigung auf geschätzte 3.000m Höhe fahren. Gut gelaunt schnappten wir uns unsere Rucksäcke (voll gepackt mit u.a. mehreren Litern Wasser und dem geliehenen Zelt) und nahmen den Aufstieg zum Basislager auf 4.500m Höhe in Angriff. Wir verzichteten dabei auf die Standard-Route, da es auf dieser aufgrund eines deutlich tiefer gelegenen Basislagers häufig(er) zu Überfällen kommt.
Der Aufstieg glich nun doch nicht unbedingt einem Spaziergang, aber aufgrund des festen und griffigen Geländes kamen wir gut vorwärts. Und wie geplant erreichten wir am Nachmittag das Basislager und bauten unsere Zelte auf, in welches sich Brigitte sogleich verkriechen musste, da sie von hämmernden Kopfschmerzen (seit ungefähr 4.000m Höhe) geplagt wurde. Der Rest unserer Gruppe genoss den Ausblick auf die Wolken und auf die unter uns Arequipa anfliegenden Flugzeuge, ein seltenes Erlebnis! Nach Einnahme einer leichten Hühnersuppe und mit Einbruch der Dunkelheit legten auch wir uns in die Zelte, um uns für den bevorstehenden nächtlichen Aufstieg zum Gipfel auszuruhen.

Nach ein paar unruhigen Stunden Schlaf aufgrund der Höhe wurden wir gegen 03:00 Uhr geweckt und packten mit Blick auf die in weiter Entfernung im Tal hell leuchtende Stadt Arequipa unsere Sachen. Wir marschierten flott los, da unser Guide den Ehrgeiz entwickelt hatte, unbedingt die eine Stunde vor uns gestartete Gruppe einzuholen. Der Weg war zwar sehr steil, allerdings wurden wir von längeren rutschigen Asche-Passagen verschont. Somit ging alles glatt bis ungefähr zwei Stunden vor dem Gipfel, als bei mir die letzten Energiereserven wie auch Vorräte aufgebraucht gewesen waren. Leichtsinnigerweise und mangels Erfahrung hatten wir uns auf die Veranstalter verlassen, welche für die gesamte Verpflegung sorgen wollten – nur dass die Menge wohl nicht auf meinen Körper berechnet gewesen war. Naja, immerhin habe ich so auf dieser Tour gelernt, dass zumindest ich eine deutlich höhere Menge an Energieriegel und Nahrungszufuhr im Gelände benötigt.
Mit ganz langsamen Schritten und vielen Pausen habe ich mich weiter nach oben gekämpft und unseren Guide zur Verzweiflung getrieben. Kurz vor dem Gipfel hat mir der Teamkollege aus der Schweiz dann zum Glück noch seinen letzten Keks abgetreten. Dessen Energieschub konnte ich dann dazu nutzen, wieder in gutem Tempo das Gipfelkreuz (5.822m) zu erreichen – welch unglaubliches Gefühl auf solch einer gewaltigen Höhe zu stehen.

Da mir der niedrige Sauerstoffgehalt nichts ausmachte, konnte ich den fantastischen Rundblick in vollen Zügen genießen und mich an der Höhe berauschen.

Der anschließende Abstieg über steile Aschehänge war zum einen sehr spaßig, zum anderen aber auch sehr nervig, da unser (sogenannter) Guide einfach ins Tal hinab flitzte und häufig außer Sichtweite und Rufweite geriet. Zum Glück ging alles gut, ich habe den Weg auch alleine gefunden und wir erreichten nach unglaublich kurzer Zeit wieder unser Basislager.
Brigitte hatte sich dort zum Glück wieder ein wenig erholt, so dass wir unsere Zelte eingepackt und uns nach wenigen weiteren Stunden in unserem lauschigen Hotel in Arequipa von den Strapazen erholen konnten.