WIKI: Der Nördlichste der aktiven Vulkane Kamtschatkas ist mit dem 3.283m hohen Stratovulkan Shiveluch ein verhältnismäßig junger Vulkan. In der Caldera des Ur-Shiveluch (Stary Shiveluch) bildeten sich mehrere Domkomplexe, von denen der Jüngste der Molodoy Shiveluch ist.
Die schwersten Eruptionen in historischer Zeit ereigneten sich in den Jahren 1854, 1956 und 1964 als große Teile des Lavadomes kollabierten und pyroklastische Ströme generiert wurden. Die aktuelle Eruptionsphase begann im August 1999 und dauert bis heute an. Im Jahr 2005 floss ein solcher pyroklastischer Strom 20 km weit, verfüllte ein Tal und bedeckte ein 25 Quadratkilometer großes Gebiet mit vulkanischem Material.

In den Norden von Kamtschatka führt, durchgehend durch dichten Birkenwald, entlang des Kamtschatka Flusses nur eine einzige Straße, und auch diese ist nur teilweise asphaltiert. Aufgrund einer Überschwemmung konnte der öffentliche Bus nicht fahren. Freundlicherweise hat uns unsere Reiseagentur jedoch anstatt einen Minibus gestellt, und praktischer weise wurde die überschwemmte Stelle keine halbe Stunde nach unserer Ankunft wieder für den Verkehr frei gegeben.
Die ca. 500km lange Fahrt nach Kosyrevsk dauerte ungefähr 8 Stunden mit einem kurzen Stop in Milkowa.

Nach zwei weiteren Stunden ist dann Kliuchi (ca. 5.000 Ew.) am Fuße des höchsten Kamtschatka Vulkans Kliuchevskoy erreicht, wo wir mit Hilfe der (kostenlosen, da vom Staat bezahlt) Fähre Marke Eigenbau über den Kamtschatka Fluss übergesetzt haben.
Nach wenigen Kilometern sind wir dann auf einen schmalen Waldweg eingebogen und haben uns mit unserem Truck hart schaukelnd in Richtung Shiveluch bewegt. Nach ca. weiteren 10 km haben wir das bei dem großen Ausbruch von 2005 durch einen pyroklastischen Strom zerstörte Gebiet (auf einer Länge von 20 km wurde der komplette Wald platt gewalzt) erreicht und in knapp 10km Luftlinie vom Dom entfernt etwas außerhalb der ‚Schusslinie‘ auf einer kleinen Anhöhe windgeschützt unsere Zelte in der feinen staubigen Vulkanasche aufgebaut.

Aber auch hier, wie sollte es anders sein, waren nach einem sonnigen Anreisetag am Abend der Dom und Gipfel des Shiveluch komplett in Wolken gehüllt. Immerhin konnten wir ein paar unglaubliche Wolkenformen wie auch einem freien Blick auf die Vulkane Kliuchevskoy und Zimina bestaunen, nur nächtliche Aufnahmen des hoffentlich glühenden Doms waren ausgeschlossen.

Dafür haben wir gemütlich in unserem Truck zu Abend gegessen (Fertignudeln, was auch sonst, dafür gab es zum Nachtisch umso leckerere Pfannkuchen mit selbstgemachter Marmelade unseres Fahrers Vasili ) und Besuch von einem ehemaligen Vulkanologen (mit Glasauge) bekommen, welcher in der Nähe mit seinem Freund zeltet und uns mit allerlei Geschichten unterhalten hat. Wir haben uns auch gleich für den nächsten Tag zu einem Trip auf eine Anhöhe vis-a-vie zum Dom verabredet.

Wir sind am nächsten Morgen auch brav um 0800 aufgebrochen, mussten aber nach zwei Stunden aufgrund von Regen abbrechen und umkehren. Den Nachmittag habe ich dann mit Chris bei trockenem Wetter zu einer weiteren Exkursion durch ein kleines Buschgebiet genutzt, viel auf und ab, ein Hase und einige Bärenspuren. Am frühen Abend haben wir dann mit unserem Guide Artyom noch eine Runde durch ein totes Waldgebiet gedreht und dabei sogar eine ganz frische Bärenspur entdeckt. Nur das Wetter lies uns weiterhin im Stich, viele dunkle Wolken und drohender Regen.

Die Hoffnung nicht aufgebend habe ich mir nach dem Abendessen im Stundenrhythmus den Wecker gestellt und das Wetter gecheckt mit dem Ergebnis steigender Spannung aufgrund von langsam nachlassender Bewölkung.

Und dann um Mitternacht: komplett wolkenloser Himmel, freier Blick auf den Dom und Shiveluch, unglaublich und welch Begeisterung. Und es wurde sogar noch viel besser, noch während wir unsere Kameras aufgebaut haben glühte der Dom immer größer und stärker – und rutschte teilweise ab: eine Eruption, unfassbar! Natürlich haben wir fast die kompletten drei Stunden Dunkelheit (wobei es auch in diesen drei Stunden nie völlig dunkel geworden ist) ausgeharrt und ein paar kleinere Nachrutsche fotografiert, sensationell!

Nach ein paar Stunden Schlaf schon wieder ein den Schlaf unterbrechender Wecker, ein erneuter ängstlicher Blick aus dem Zelt, doch die Sonne schien hell und der Himmel blau. Haben uns nach einem Kaffee eine gute Position gesucht und den Vulkan „fixiert“. Und wie diese unfassbaren Stunden begonnen haben so sind sie auch geendet: nur wenige Minuten bevor wir zwecks Rückfahrt abbauen mussten durften wir noch einen der seltenen pyroklastischen Ströme (WIKI) erleben, was für ein unglaubliches Glück!

Auch ohne diese Erlebnisse ist das Shiveluch Gebiet für mich eines der intensivsten Gebiete auf diesem Planeten, das Gefühl der permanenten Gefahr der völligen Zerstörung, die leere und verwüstete Landschaft mit der Möglichkeit jederzeit einem gewaltigen Bären zu begegnen – selten habe ich die Naturgewalten so deutlich gespürt!

Aufgrund der unglaublichen Erlebnisse und dem gutem Gefühl, die oben genannte Bedrohung überlebt zu haben herrschte auf der Rückfahrt eine sehr gelöste Stimmung, und den kompletten Nachmittag haben wir in Kosyrevsk mit Bier, Chips und Käse eine Vulkanparty gefeiert.

Hier geht es zu dem Bericht „Kosyrevsk“