Skyhole-Virus. Dieser hatte uns, also Chris, Detlef und mich direkt schon beim Heliflug erwischt, da mussten wir einfach zu Fuss hin. Wir wussten natürlich nicht, wo es genau liegt, aber Chris hatte eine grobe Ahnung der Lage und Entfernung, immer wieder sprachen wir darüber, wo ungefähr, wie lange würden wir laufen müssen, welche Nacht… Am 22.11. war es dann soweit, die Entscheidung war gefallen, heute Nacht wird DIE Nacht sein:

Abendessen, Schlafen von 2130 bis 2300, Abfahrt, große Spannung, hält das Wetter? Unterwegs sind wir erst einmal durch Regen gefahren, oje, Angst, am Parkplatz Ocean Entry jedoch klarer Sternenhimmel, der Wettergott meint es wieder gnädig mit uns, JA!!! Sind dann sehr zügig (über die allerdings gut zu begehende Lava, trotzdem nicht vergleichbar mit einem gut ausgebauten Weg :-) ) los gelaufen, immer in Richtung eines glühenden Leuchtens in weit scheinender Entfernung. Haben uns immer weiter mit großen schnellen Schritten den Hang hinauf gearbeitet, hier und da an etwas Oberflächenlava vorbei, bis wir plötzlich direkt vor dem Skyhole straht in den Himmelglühenden Schein standen, der sich wie ein Scheinwerfer der gut sichtbaren Milchstrasse entgegen streckte. Schnell ein Foto, bevor wir uns das Glühen näher angeschaut haben, ein erstes Skyhole, zwar recht klein, aber nicht minder beeindruckend. Der Blick auf die schnell fließende  Lava, das  dazu  gehörende  Geräusch einer zähen Masse (sieht aus und klingt für mich wie Wandfarbe), das Bewusstsein, dass dieses flüssiges Gestein aus tiefen Regionen unserer Erde kommt, dazu über uns das ganze Universum mit prominenter Milchstrasse, einfach überwältigend, ich bin mir so unendlich klein vorgekommen – und so dankbar, dies erleben zu dürfen!!!

Nach ein paar Minuten des Genießens und Staunens ging es aber weiter auf der Suche nach dem ‚wahren’ Skyhole. Einige Höhenmeter weiter wurden wir dann fündig, ‚unser’ Skyhole (die GPS-Aufzeichnungen haben dies später bestätigt), allerdings mittlerweile leider eingestürzt und nicht so spektakulär wie erhofft. Da es noch etwas früh (0230 oder so) war sind wir einfach noch weiter gegangen, immer näher an Puu Oo ran. Leider wurden wir nach einer Stunde (bei ca. 600 Höhenmetern und nur noch ca. 3km von Puu Oo entfernt) von nur extrem schwer zu begehender AA-Lava (tiefe Gräben, sehr raue Oberfläche) gestoppt, allerdings wäre es auch bei besseren Bedingungen zeitlich doch sehr knapp geworden. Sind nach kurzer Pause also umgekehrt und haben an ‚unserem’ Skyhole auf das erste Sonnenlicht gewartet. Direkt am Hole war es sehr sehr warm, ansonsten sehr kalt. Detlef hat sich daher in seinen 5$ Regenponcho gewickelt, der dann lustig laut im Wind geflattert hat :-)

Nach einer (dösenden) Stunde dann endlich der erste helle Streifen am Horizont. Also Kameras aufgebaut und Dämmerung am Skyholefleißig fotografiert, allerdings ziemlich schwierig, die richtige Belichtung zu finden, da die 1300 Grad Celsius heisse Lava bei korrekter Belichtung der Umgebung einfach nur überstrahlt, aber es gibt ja auch noch Photoshop :-) Irgendwann hatten auch wir genug und uns auf den Rückweg gemacht, natürlich mit einem weiteren ausführlichen Stop an dem ersten kleinen Skyhole. Ich glaube, ich könnte da einfach nur Tage lang sitzen und der Lava zuschauen und –hören. Nach einiger Zeit zwangen wir uns dann doch, uns loszureißen und auf den Weg Richtung Kilauea zu machen, wo der Rest der Gruppe nach einem gemütlichen Frühstück schon auf uns wartete.

Nach einem kurzen Frühstücksstop unsererseits an einer Tankstelle waren wir dann nach 12 Stunden um 11 Uhr wieder am Volcano House, von wo wir nach wenigen Minuten, nach den heute Nacht absolvierten 18 km, zu einer weiteren Kleinigkeit von Wanderung von 9 km aufbrachen…